In der Krise liegt die Chance oder was bedeutet eigentlich New Work?

New Work
Apr 3, 2020

Wie hängt das alles zusammen - New Work, Change Management, digitale Transformation und Agilität?
Ich möchte mal ein wenig entwirren, wie das verbunden ist und was hinter den Begriffen steht. Dies ist Auftakt einer Serie, in der wir die Begriffe erklären, definieren und ein wenig greifbarer machen. Hoffen wir zumindest. Gebt uns also gerne Feedback.

New Work wird durch die Krise einen Schub erleben

Jetzt machen alle Homeoffice - notgedrungen. Die Corona-Krise wird ein starker Beschleuniger für die Akzeptanz von Remote-Arbeit, virtuellen Teams und Homeoffice sein. Viele Unternehmen und Chefs, die sich lange gegen Homeoffice gewehrt haben, müssen ja nun mitziehen.

Dadurch wird die New Work Bewegung gestärkt werden. Warum? Nicht wegen Homeoffice und neuen Tools. Sondern ganz einfach, weil Chefs feststellen werden, dass sie ihren Mitarbeitern vertrauen können. Auch im Homeoffice. Viele Mitarbeiter sind auch zu Hause motiviert, sinnvolle Dinge für ihr Unternehmen zu tun. Das erklärt eigentlich schon ganz gut, worum es bei New Work eigentlich geht. Aber der Reihe nach.

Was New Work bedeutet

Woher kommt New Work?

Die Begrifflichkeit der New Work ist Ende der 70er durch Professor Frithjof Bergmann in den USA entstanden. Kurioserweise ist durch seine systemtheoretische Auseinandersetzung mit Kommunismus und Kapitalismus eine Theorie entstanden, die erst 40 Jahre später richtig Fahrt aufnahm - im Angesicht der digitalen Disruption.

Im Zentrum der New Work Theorie stehen folgende, wertebasierte Themen:

  • die Handlungsfreiheit des einzelnen Wirtschaftssubjekts,
  • Selbstständigkeit und
  • die Teilhabe an der Gemeinschaft.

Frithjof Bergmann wurde übrigens 1999 emeritiert und ist noch immer auf Vorträgen unterwegs, zuletzt auch in Hamburg.

Weiterentwicklung in den 2010ern

Daraus ist im Rahmen der New Work Theorie im Endeffekt Folgendes entstanden:

  • Mit New Work begreift der Einzelne seine Arbeit als kreativen Prozess, in dem ihm wichtig ist, was er macht
  • Selbstbestimmtes Handeln gehört dazu - der "Arbeiter" emanzipiert sich vom "Chef" und löst ein Bedürfnis, statt Anweisungen stumpf auszuführen
  • Der Einzelne möchte einen relevanten Beitrag zu seiner Arbeitswelt und / oder der Gesellschaft in der er lebt, leisten

Es gibt noch viele weitere Themen, die damit assoziiert werden und dazugehören, aber meiner Meinung nach führt das zu weit. New Work steht damit im Gegensatz zur "klassischen" hierarchischen Organisation, in der andere Paradigmen vorherrschen, im wahrsten Sinne des Wortes:

  • Klare Arbeitsteilung, die in
  • organisatorischen Silos mit
  • starrer Hierarchiestruktur sowie
  • genauer Planung funktioniert.

New Work definiert sich also im Wesentlichen darin, dass selbstbewusste, nach Selbstverwirklichung strebende Menschen in einer demokratischen Organisationsstruktur relevante Sachen für ihr Umfeld schaffen wollen, basierend auf einer Theorie aus den blumigen 1970ern. Peace. Wie passend.

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Ohne Krawatte ist nicht New Work

Kai Diekmann, der damalige Bild Chefredakteur vor seiner Silicon Valley Hospitation

Bevor manche nun Schnappatmung bekommen: Das ist mehr oder weniger einer der größten Erfolgsfaktoren von Google, Facebook und Apple - den wertvollsten Unternehmen der Welt und einer der Gründe, warum das halbe deutsche Elite-Management nach Silicon Valley gepilgert ist und seitdem ohne Krawatte rumrennt. Googlet mal nach Dieter Zetsche (ex Vorstand Daimler AG) oder Kai Diekmann (ex Chefredakteur Bild) und schaut euch die Bilder an. Man kann immer prima erkennen, welche der Bilder vor oder nach den Besuchen in Silicon Valley entstanden sind.

Kai Diekmann nach 12 Monaten Silicon Valley Aufenthalt

Wisst ihr, warum die das gemacht haben? Weil sie als Führungskraft Distanz zu ihren Mitarbeitern abbauen wollten. Dass aber der Mitarbeiter die Distanz zur Führungskraft abbauen soll, gehört aber leider auch dazu und ist der schwerere Weg. Immerhin ein Anfang. Ich merke in vielen Gesprächen mit Kunden, dass Führungskräften oft nicht bewusst ist, dass Mitarbeiter Konsequenzen fürchten, wenn sie ihrem Chef echtes Feedback geben. Selbst dann nicht, wenn die ihre Krawatte ausziehen und versuchen damit symbolisch näher an ihre Leute zu rücken. ParrotPolls ist da dann immer ein Anfang, weil die Anonymität den Mitarbeitern Sicherheit gibt, ihre Meinung zu äußern.

Was hat Zetsche, Diekmann und Co. noch dazu gebracht, sich lockerer zu machen? Die Vorstände haben sich in Kalifornien auf Firmengeländen ("Campus") herumgetrieben und mit Mitarbeitern bei Google, Facebook und Startups gesprochen. Ich kann mir den Gedankengang richtig vorstellen:

Was, Campus? Die sind doch zum Schaffen da! Arbeit ist doch kein Spass".

Erst langsam muss durchgesickert sein, dass Mitarbeiter in einer Wohlfühlatmosphäre produktiver sind. Und dass viele einfach freiwillig mehr Zeit bei der Arbeit verbringen, wenn sie zwischendurch ins Fitnessstudio gehen können und gutes, gesundes Essen bekommen. Die Erkenntnis, dass sie mehr oder weniger selbst bestimmen, was sie machen, sofern im Einklang mit der Unternehmensvision.

New Work ist nicht Kumbaya und braucht Zeit

Interessant sicher auch die Erkenntnis, dass damit Milliarden-Imperien geschaffen wurden und werden. Übrigens auch solche, die Zetsche (Tesla) und Diekmann (Facebook und Google als Puplisher) durchaus gefährlich wurden und werden. Und was Facebook und Google betrifft: Imperien, die weit größer sind als die der deutschen Industrie. Trotz aller 70er Jahre Theorie, legerem Auftreten sonstigen vermeintlich weichen Faktoren - hier geht's ums Geschäft. Und der New-Work-Weg hat sich als sehr lukrativ erwiesen.

Also machen wir jetzt doch alle New Work, oder? Viel Glück. Denn dabei wird vergessen, dass diese Start-ups und Weltplayer nur diese Kultur hatten. Nichts anderes. Die sind ja stellenweise nicht mal 10 Jahre alt und Weltmarktführer. Die müssen nichts verändern, die waren schon immer so.

Die deutsche Industrie hingegen, die muss - wegen der digitalen Transformation, dem Thema beim nächsten Mal. Nur so viel vorweg: Es dauert. Du kannst nicht einfach alle deine Prinzipien über Bord werfen und machst plötzlich New Work. Am schwierigsten ist New Work für Führungskräfte, denn die Ansprüche guter Mitarbeiter haben sich stark gewandelt.

Wird 2020 das New Work Jahr?

Vielleicht geht es nun etwas schneller, denn Millionen Arbeitnehmer sitzen nun zu Hause und machen gute Dinge. Damit helfen sie ihrem Unternehmen, die aktuelle Krise zu überleben. Da kommt er nun, der Buzz-Satz: Jede Krise birgt eine Chance. New Work ist also keine Methode, sondern ein Trend, ein Einflussfaktor, ein Wertekanon. Und ohne Krawatte ist noch lange nicht New Work!

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