It's all about the Benjamins, Baby oder was bringt eigentlich Agil?

New Work
Nov 23, 2020

Agilität und agiles Management

Vorweg

Ich glaube, dass agile Organisationen besser in der Lage waren und sind, auf Veränderungen wie die Corona-Krise zu reagieren. Zusätzlich erleben wir, dass sich die digitale Transformation durch die Krise noch mehr beschleunigt. Das mussten viele Unternehmen leidvoll erfahren.

Daher setzen sich die meisten Unternehmen "gezwungenermaßen" mit diesen Konzepten auseinander. Die Begriffe Agilität, agil, Scrum, Kanban, agiles Projektmanagement sind  - in Zeiten der Krise - noch mehr zu Buzzwords geworden. Diese Buzzwords wecken aber leider noch immer Argwohn und Vorurteile bei Entscheidern. Viele tun so, als sei Agilität eine Modeerscheinung. Oder ein Feelgood-Konzept. Oder nur für Start-ups. Im Kern steht auch die Befürchtung, eine ineffiziente Organisation zu schaffen, in der jeder "tut, was er will".

Dabei ist genau das Gegenteil der Fall: Richtig ausgeführt führt das Framework zu einer hocheffizienten Allokation der Ressourcen. Schonmal gehört? Das Konzept der Allokation von Ressourcen lernen BWL-StudentInnen im ersten Semester. Und bei der BWL geht's ums Geld. Im Folgenden also Antworten für zweifelnde Entscheider, wozu das eigentlich wirklich gut ist.

Ganz wichtig: Wir sprechen hier von agilem Management. Damit ist eine Organisation gemeint, die nach agilen Prinzipien agiert. Das ist nicht notwendigerweise eine Softwareentwicklungsbude.

Was ist ein agiles Unternehmen?

Für ein Unternehmen bedeutet Agilität die Fähigkeit, in einer Wettbewerbsumgebung gewinnbringend zu operieren, die charakterisiert ist durch ständig aber unvorhersehbar sich verändernde Kundenwünsche.

Aus Wikipedia. Lasst uns das mal auseinander nehmen, denn da steckt so viel drin!

"Wettbewerbsumgebung"

Die Märkte sind mega schnell geworden. Das haben wir in im Rahmen der Bedeutung der digitalen Transformation bereits herausgearbeitet.

Spotify wäre ohne Apples iPhone nicht entstanden. Dennoch haben die Schweden binnen ein paar Jahren das Apple-Produkt iTunes irrelevant gemacht. Die Kinder fressen ihre Eltern. Jaja, jetzt heißt iTunes Apple Music. Nutzt das noch wer? Für mich ist das ein Nostalgie-Trip, mal wieder die alten Lieder zu hören, die ich mir einzeln zusammengekauft habe. Jetzt mit Spotify weiß ich oft nicht mal, welchen Interpret ich überhaupt höre. In iTunes hab´ ich mir noch Lieder gekauft! Heute kaufe ich nur noch eine Lizenz für Musik.

Spezialisten schlagen Konzerne. Sie überlegen in ihrer Nische, wie man das Produkt noch geiler machen kann. Dann werden sie vielleicht selbst zum Konzern. Ich bin gespannt, wer Spotify herausfordert.

Was das mit Geld zu tun hat? Die aktuelle Marktkapitalisierung von Spotify, einem Unternehmen, welches für viele zu einem agilen Vorbild geworden ist, liegt bei rund 48 Mrd. Dollar. Zum Vergleich: Volkswagen liegt bei 76 Mrd. Ich hab gehört, die machen jetzt auch in Agil.

"Gewinnbringend"

Irgendwie kommen Führungskräfte immer auf die Idee, dass Agilität Kumbaya sei. Manche verwechseln agil auch mit New Work. Da muss ich immer leise bis zehn zählen. Agilität ist kein Selbstzweck. Von wegen Kumbaya - it's all about the Benjamins! Hier gehts um Geld, um Speed, um den Wettbewerbsvorteil! Besetze schnell ein Marktsegment und baue es dann aus. Gewinne!

Das vermittle ich in Workshops oder Einsätzen als agiler Coach immer als Erstes. Für mich fühlt es sich so an, als sei diese Fehleinschätzung einer der Gründe, warum die deutsche Wirtschaft insbesondere im digitalen Umfeld so mega hinterher hängt. Die Prinzipien der Agilität wurden in den USA entwickelt und populär. Der Durchbruch dieses Prinzips ist in Amerika passiert. Das ist die kapitalistische Nation dieses Planeten. Hello?!

"Ständig aber unvorhersehbar sich verändernd"

Das ist ein krasser Faktor, der sich in der digitalen Transformation herausgebildet hat. Das hat mit drei Faktoren zu tun:

1. Sinkende Wechselkosten

Wie oft haben Leute früher die Versicherung, den Stromanbieter, die Bank gewechselt? Gefühlt kaum, denn das ist doch ein mega Aufwand! Briefe schreiben, Dauerauftrag ändern - die Wechselkosten sind in puncto Aufwand und Zeit einfach zu hoch. Und jetzt? Je digitalisierter, desto geringer sind die Wechselkosten. Manchmal nur ein Klick. Und je mehr ich das weiß, desto offener bin ich für einen Wechsel.

2. Geringere Markentreue

Das ist natürlich subjektiv: Aber ich habe das Gefühl, das Markentreue abgenommen hat. Es gibt natürlich viele Gegenbeispiele, aber meine Bereitschaft andere und neue Produkte auszuprobieren hat zugenommen. Weil einfach gute Spezialisten auf den Markt kommen, die sich wirklich mit meinen Bedürfnissen auseinandersetzen. Ein super Beispiel ist Whytes. Hab ich lange nach gesucht, einfach ein gutes weißes T-Shirt. Eine kleine, spezialisierte Nische. Mal sehen, wie lange ich treu bleibe.

3. Billigere und genauere Werbung

Meine Bereitschaft zu wechseln hängt wiederum mit der Werbung zusammen, die mich erreicht. Und die ist zielgruppenspezifisch und höchst effizient. Ich muss euch nicht viel über Fingerprints im Browser, SEA und Co. erzählen, oder?

Fakt ist, dass ich gezielt auf Produkte oder Dienstleistungen aufmerksam gemacht werden kann, die mich oder meine Peers interessieren. Und das für vermeintlich geringes Werbebudget. Im Gegensatz zur Fernsehwerbung wird nicht mit der Kanone auf Spatzen geschossen. Das gilt für B2C und B2B. Wir machen das auch. Vielleicht lest ihr deshalb gerade hier. Also nutzt die Chance gleich und meldet euch bei ParrotPolls an!

Fazit: Alles ändert sich ständig

Aus Werbung, geringen Wechselkosten und Markentreue erklärt sich eben auch unvorhersehbar und sich verändernd. Die Diversität der Informationsgesellschaft führt zu so schnellen Wechseln, dass man kaum noch hinterherkommt. Schaut mal in den Bus, die S- oder U-Bahn. Insta, Facebook, Linkedin, Spiegel, Podcasts, surfen. Alle starren auf ihre Telefone. Überall werden neue Bedürfnisse verpflanzt. Ständig.

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"Kundenwünsche"

Frag' doch einfach!

Tja. Eigentlich ein No Brainer. So viele Erfolgsgeschichten sind entstanden, weil jemand den Kunden gefragt hat, was er denn so will. Das geilste an der Agilität ist die vollständige Ausrichtung auf den Mehrwert für den Kunden. Genau dort entfaltet sie ihre Kraft. Genau deshalb passen Agilität und digitale Transformation wie A. auf E.

Die Einbindung des Kunden ist fester Bestandteil des Prozesses

Im agilen Prozess steht der Kunde im Mittelpunkt. Und zwar mit jeder Iteration. Wie findste das, lieber Kunde? Was ist dein Feedback? Kannst du das brauchen? Wie sollen wir weitermachen, damit du unser Produkt nutzt? Danke für dein Feedback!

Dann gehen wir mal wieder in unseren Keller und treffen uns in zwei Wochen wieder. Dann bekommst du die nächste Iteration - mit deinem eingebauten Feedback. Und dann fragen wir dich wieder. Und weil sich der Markt ständig unvorhersehbar ändert, stehen wir mit dir im Dialog. Wir wollen dich erobern. Und wenn wir dich haben, wollen wir dich behalten. Also erzähl uns, was dir wichtig ist.

Woher kommt eigentlich agil?

Herkunft

Die eigentliche Herkunft ist aus der Hardwareentwicklung. Richtig verbreitet hat sie sich in der Software Entwicklung. Der Auslöser war versenktes Geld (Benjamins, merkste?). Die Prinzipien haben mehrere Entwickler und Ingenieure mit dem agilen Manifest für Softwareentwicklung 2001 in einer Hütte in Utah erarbeitet. Viele der Ideen waren auch vorher schon da, aber seitdem ist agil verbrieft. Diese Prinzipien sind Leitlinien und auch für mich Grundlage des Wirkens.

Ok. Aber agil ist doch nur für Software Entwicklung?

Bullshit. Also meistens.

Zugegeben: Wenn ich Agilität in eine Organisation bringe, dann ist es bei Softwareentwicklung am einfachsten. Dieser Artikel beschäftigt sich aber nicht mit Softwareentwicklung, sondern agilem Management. Und alleine das zeigt schon, dass dies auf beinahe alle Branchen übertragbar ist.

Lustig ist nur: Fast alles wird digital. Oder hat digitale Touchpoints. Daher kommt die Softwareentwicklung immer mehr zu Unternehmen, die vorher damit gar nichts zu tun hatten.

Fazit: Agilität, ein marktwirtschaftliches Konzept

Eine Organisation mit agilen Prinzipen ist auf wechselnde und unvorhersehbare Kundenbedürfnisse eingestellt. Diese Organisation besteht aus heterogenen Teams, die selbstorganisiert schnell im Sinne des Kunden Produkte und Dienstleistungen (weiter-)entwickeln.

Um immer wieder zu überprüfen, ob sie auf dem richtigen Weg sind, fragen sie den Kunden regelmäßig. Nicht falsch verstehen: Die Produkte oder Dienstleistung verfolgen initial eher den Anspruch eines Minumum Viable Products. Das Produkt ist nicht immer komplett ausgereift. Es hat nicht alle Features. Aber die Wichtigsten. Und nur so bekomme ich schnell Feedback aus dem Markt. So verdiene ich schnell Geld.

Bestehende Ressourcen werden also bestmöglich allokiert. Denn Agilität ist in Zeiten der digitalen Transformation ein höchst-kapitalistisches Konzept. Denkt daran, wenn ihr das nächste Mal Kumbaya singen wollt. Denkt an Puff Daddy.

Eigene Zeichnung. Benjamins ist übrigens das Synonym für die 100 Dollarnote. Quellennachweis: https://de.wikipedia.org/wiki/Agilit%C3%A4t_(Management) abgerufen am 10.11.2019

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