Der Tricorder ist Realität oder was bedeutet eigentlich digitale Transformation?

New Work
Jun 20, 2020

Wie hängt das alles zusammen - New Work, Change Management, digitale Transformation und Agilität?
Ich möchte mal ein wenig entwirren, wie das verbunden ist und was hinter den Begriffen steht. Dies ist eine Blogartikel-Serie, in der wir die Begriffe erklären, definieren und ein wenig greifbarer machen. Hoffen wir zumindest. Gebt uns also gerne Feedback.

Trocken und kurz erstmal Theorie, natürlich von Wikipedia (gleich vorbei):

Die digitale Transformation (auch „digitaler Wandel“) bezeichnet einen fortlaufenden, in digitalen Technologien begründeten Veränderungsprozess [...]. Basis der digitalen Transformation ist eine digitale Infrastruktur sowie digitale Technologien, die in einer immer schneller werdenden Folge entwickelt werden und somit den Weg für wieder neue digitale Technologien ebnen.

Kapiert? Nee? Dann hoffe ich, dass dieser Artikel ein wenig hilft und diesen großen, universell eingesetzten Begriff etwas greifbarer macht. Erstmal folgen Thesen für die Definition der digitalen Transformation, die ich mit Beispielen untermauern werde. Danach gehe ich kurz auf Auswirkungen auf die Organisation von Unternehmen ein.

  1. Der Kunde emanzipiert sich viel stärker, weil er über das Internet und insbesondere soziale Medien Plattformen für die Bedarfsäußerung bekommen hat. Als Kunde fühle ich mich nicht mehr so hilflos wie früher.
  2. Fast alles wird digital und vernetzt sich. Ich kann meinen Lichtschalter mit Alexa steuern und den Stromverbrauch meiner Glühbirne auf dem Handy anschauen und wenn mein Anbieter zu teuer ist, dann wechsel ich ihn einfach mit der Check24 App. Damit stellt die digitale Transformation vermeintlich bewährtes infrage.
  3. Die Geschwindigkeit ist atemberaubend und das wird sie auch bleiben.

These 1: Was unser Kunde will, ein echt cooler Trend

2018 war ich bei einer Social Media Konferenz in Hamburg, der SMWHH. In besagter Konferenz gab es eine Main Stage, in der vermeintliche Hochkaräter aus der Industrie aus der Praxis erzählten.

So auch die Leiterin des Online-Marketings eines sehr bekannten, ein wenig angestaubten FMCG-Herstellers für Beauty Produkte. Das war so eine Interview-Situation, und der Moderator fragte seinen Gast, was denn so die Trend-Themen in 2017 waren und wo sie 2018 die Schwerpunkte ihres Handelns setzen wird:

Ja, also 2018 steht vor allem ein Thema im Vordergrund: Der Kunde, und was er so will.

(Danach nur noch blabla über diesen ominösen "Kunden".

.
.
.
.
.

Ich muss das einfach mal stehen lassen, ich kann mich da immer wieder reinsteigern. Die Online-MarketingleiterinDie Online-Marketing Leiterin eines Industrie-Schwergewichts entdeckt im Jahre 2017 einen coolen Trend: den Kunden und seine Bedürfnisse! Warum erst jetzt? Ich hätte da so ein paar Vermutungen:

  • Als Erstes tippe ich auf einen Shitstorm, sagen wir mal auf Facebook. Zum Beispiel eine schöne Reklamation mit einer patzigen Antwort, die sich in Windeseile verbreitet hat. Einen Produktionsfehler, bei dem man die Schuld dem Konsumenten gibt. Irgend sowas.
  • Die zweite Option: Andere Wettbewerber haben sich längst auf die Bedürfnisse der Kunden eingestellt und machen Umsatz auf Kosten unseres Industrie-Schwergewichts.

Vielleicht auch ein bisschen von beidem. Denn eines habe ich in meinen Jahren in diversen Konzernen mitbekommen: Die können sich immer wunderbar mit sich selbst beschäftigen. Sie können sich besser für ihren Kunden ausdenken, was für ihn gut ist.

Das ist natürlich auf die Spitze getrieben, zeigt aber einen wesentlichen Treiber dieser Bewegung. Der Kunde hat sich emanzipiert und viele kleine, spezialisierte, schnelle Anbieter haben das genau verstanden und gehen auf seine Bedürfnisse ein. Leider habe ich das Gefühl, dass viele der etablierten deutschen Player, ob Mittelstand oder Konzern, das noch nicht kapiert haben.

These 2: Fast alles wird digital, vernetzt sich und stellt Bewährtes infrage

Ich will das mal an drei Beispielen zeigen, die ihr gerne auseinander nehmen könnt. Mir fallen noch viel mehr ein, aber ich will euch nicht zu sehr langweilen.

Die digitale Transformation des Wissens

Chronologie
  • 1969: Die Typen in Star Trek haben diesen "Tricorder" - alleine die Vorstellung war Science Fiction. Spock und Co. fragen dieses Teil alle möglichen Sachen und bekommen sofort Antworten. Wissen ist in der realen Welt natürlich nur in Büchern vorhanden. Wer etwas wissen wollte, musste das Buch haben oder organisieren, nachschlagen und lesen. Dauert.
  • 2003: Der Duden und erste Enzyklopädien sind auf dem PC erhältlich. Damit kann Wissen durchsucht und schneller gefunden werden. Aber ich muss einen PC hochfahren.
  • 2007: Wikipedia erreicht einen vorläufigen Höhepunkt in der Autorenzahl. Wissen ist digitalisiert, aber noch haben nicht alle den Zugang.
  • 2019: Über das Smartphone ist Wissen allen immer zugänglich. Siri, Alexa und Google kann man alles Mögliche immer fragen und bekommt sofort eine Antwort, wie 1969 bei Star Trek.

Fazit: Wissen ist nur noch eine App auf dem Smartphone
  • Es ist nicht mehr exklusiv zugänglich und kann mit allem möglichen vernetzt werden. Von der Vision bis zum ersten Ansatz 2003 hat es 34 Jahre gedauert, danach nur noch ca. 10 Jahre!

Wie ist die Stimmung im Team wirklich?

ParrotPolls. Das Stimmungsbarometer für Teams. #RedetMiteinander
Jetzt 12 Monate kostenlos testen »

Die digitale Transformation der Musik

Chronologie
  • 1930: Die erste Vinylplatte kommt raus, Start der Kommerzialisierung der Schallplatte.
  • Ende der 1970er: Die Kassette wird populär.
  • Mitte 1990: Die CD löst die Kassette ab. Bald kann man sie auch selbst brennen.
  • 2001: Napster ist die am schnellsten wachsende Community des Internets, es werden 2 Mrd. (Musik-)Dateien getauscht. Musik ist digitalisiert, aber noch nicht überall zugänglich.
  • 2003: Der iTunes Store wird eröffnet, noch vor dem ersten iPhone.
  • 2006: Spotify wird gegründet.
  • 2019 Spotify, Apple Music, Google Music. Egal was, Musik ist streambar und verstaubt nicht mehr als Hardware in den Regalen der Konsumenten.
Fazit: Musik ist nur noch eine App auf dem Smartphone.

Von den kommerziellen Schallplatten bis zu Napster dauerte es ca. 70 Jahre, danach nicht einmal mehr ein Drittel der Zeit. Betroffen sind Verlage, Künstler und alle die in diesem Umfeld Geld verdient haben (denkt mal an die ganze Hardware: Zulieferer für CD Rohstoffe, Pressfabriken, etc.). Ach ja, Konsumenten auch: Konzerte werden teurer, da die Künstler mit Streaming nicht mehr so viel verdienen wie mit dem Verkauf von Hardware.

Die digitale Transformation der Banken

Chronologie
  • 1995: Die höchste Anzahl an Bankfilialen in Deutschland wird erreicht: ca. 70.000.
  • 2008: Bereits ca. 35 % der Bankgeschäfte werden online abgewickelt.
  • 2016: Number26 als erste reine Smartphone-Bank erhält die Vollbanklizenz.
  • 2019: Der Markt für Smartphone-Banken ist stark umkämpft, N26 wird zum Unicorn und expandiert in die USA.
Fazit: Eine Bank ist nur noch eine App auf dem Smartphone

Entscheidungen über Eröffnung eines Kontos oder Vergabe von Krediten unterliegt Risikowahrscheinlichkeiten und vorliegenden Informationen über den Kreditnehmer. Das sind einfach nur Daten, die abgerufen werden, Rechenmodelle.

Die Entscheidung unterliegt nicht mehr dem Filiale-Angestellten um die Ecke und dessen Menschenkenntnis. Betroffen sind im Endeffekt alle etablierten Banken, insbesondere die mit Filialnetz und deren Mitarbeiter. Kann man ja auch positiv sehen: Jürgen Schneider hätte sein Ding so nicht drehen können. Peanuts.

These 3: Die Geschwindigkeit der digitalen Transformation ist atemberaubend und das wird sie auch bleiben

1998: Nokia ist der größte Mobiltelefonhersteller, jeder hat ein Handy.

2002: 4 Jahre später: Windows bringt CE raus, ein Betriebssystem für Pocket PCs. Das Teil ist kompliziert und der Kunde scheint egal zu sein, denn die Bedienung ist was für Eingeweihte oder Windows Spezialisten. Die Hardware nennt man "Organiser". Musik ist untergeordnet. Kameras egal. Ich hatte das selbst. Und ich hatte zusätzlich ein Nokia.

2007: 5 Jahre später: Apple bringt das iPhone mit der Maßgabe, ohne Bedienungsanleitung alle mobilen Geräte in einem zu vereinen und das so idiotensicher zu gestalten, dass jeder das Teil bedienen kann. Samsung steigt später ein, Google bringt Android auf den Markt. Das Smartphone wird zum Standard. Apple verdient sich dumm und dusslig, auch an Musik, später an Apps.

2017: Nur 10 Jahre später:

  • Es gibt Milliarden Smartphones, wir haben damit ein Umweltproblem
  • Das Windowsfone wurde gelauncht und schon wieder eingestellt
  • Spotify hat Apple als Standardanbieter von Musik und Hörmedien abgelöst
  • Über Apple wird diskutiert wie lange das eigentlich so weiter gehen kann und was sie tun müssen, damit andere sie nicht überholen

Das ist in etwas mehr als 10 Jahren passiert. In 10 Jahren! So lange haben Automobilhersteller früher für die Entwicklung eines neuen Modells benötigt. Und da haben die uns diktiert, was dann der heiße Kram ist.

Was bedeutet die digitale Transformation für deine Organisation?

  • Silos machen euch starr und verhindern, dass umfassend über die Bedürfnisse eurer Kunden nachgedacht werden kann.
  • Speed schlägt Details: Ein Produkt sollte dem Kunden frühzeitig und in einem MVP Stadium präsentiert werden. Frühes Feedback hilft euch, es in eine kommerziell erfolgreiche Richtung zu entwickeln.
  • Führungskräfte müssen umdenken und eine Basis für motivierte Mitarbeiter schaffen, die Bock auf gute Produkte und Teamerfolg haben (da hilft euch natürlich.... ParrotPolls, richtig geraten!). Ich habe einen netten kleinen Post vorbereitet, was sich für Führungskräfte eigentlich ändert.

Fazit

Die digitale Transformation ist ein exogener Faktor. Er zwingt Unternehmen, ihre Produkte und ihr Verhältnis zu den Kunden zu überdenken. Die digitale Transformation ist einer der Gründe, warum agiles Arbeiten erfolgreich wurde.

Ähnliche Artikel

#NewWork #RedetMiteinander

Neu: Tipps für (virtuelle) Teams

Kostenlose Tipps, frisch in die Inbox.